Die Norderstedter Regentrude
Sie steht fest und unverrückbar vor dem Norderstedter Rathaus, und das seit mehr als 40 Jahren: die Regentrude. Das Werk, das der Frankfurter Bildhauer Hans-Werner Könecke 1984 an diesem zentralen Ort in Norderstedt schuf, zweigt zwei Bronzefiguren in einem Brunnen. Zu sehen sind eine Frau, die mit einem Krug in den Händen auf einem Stein sitzt, während die zweite Frau neben ihr steht und ihr einen Arm beschützend auf die Schulter legt.
Die stehende Frau symbolisiert die Regentrude, eine Figur aus vorchristlicher Zeit, die für die fruchtbaren Niederschläge verantwortlich ist. Der norddeutsche Dichter und Schriftsteller Theodor Storm schrieb das „Märchen von der Regentrude“ 1863 und lieferte damit das Vorbild für Bildhauer Könecke.
Als in einem Sommer eine lange Dürre herrscht, macht sich die zweite Frau, das Bauernmädchen Maren, auf den Weg, um die Regentrude zu wecken und um den nötigen Regen zu bitten, was ihr nach vielen Mühen auch gelingt. Sowohl das Bronzeensemble als auch das Märchen sind enorm aktuell, erzeugt doch der Klimawandel immer mehr Hitze und Trockenheit, der Regen bleibt aus.
Die Böden brechen auf, die Früchte auf den Feldern verdorren – nur eine Regenbringerin wie die Regentrude gibt es heute nicht.
Könecke wie auch Storm verweisen mit ihren Werken auf die Abhängigkeit der Menschen von der Natur: Maren erhält Wasser von der Regentrude, das die Felder wieder fruchtbar macht und die Menschen vor der Dürre rettet. Könecke betont dies, indem er nur den Bereich, den der Wasserstrahl erreicht, mit Blumen auf dem Sockel verziert.
Zugleich soll die Bronzegruppe vor dem Norderstedter Rathaus erinnert an die ursprüngliche Funktion von Brunnen als Treffpunkt und Versammlungsort erinnern. Die Regentrude in Norderstedt zählt zu den größeren Brunnenarbeiten des Bildhauers. Die Plastik wurde zu einer Identifikationsfigur für Norderstedt und gehört zu den bekanntesten Werken der Stadt.